Digitalisierung: Den Roboter umarmen | FOREVER
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Digitalisierung: Den Roboter umarmen

binaerfluss_chaplin1Zerstört die Digitalisierung die Jobs? In den USA macht sich Zukunftsangst breit. Nun sucht der amerikanische Arbeitsminister nach neuen Ideen – auch im Hamburger Hafen. Weiter zum Artikel auf ZEIT-Online vom 04.02.16. Siehe dazu auch die Artikel Kommune killt Kapitalismus, freitag.de vom 03.02.16, Zukunft der Arbeit: Die Massenarbeitslosigkeit kommt zurück, ZEIT-Online vom 22.01.16, Digitalisierung: Vom Roboter nach Hause geschickt, ZEIT-Online vom 21.01.16, Wir haben eine Zukunftsforscherin gefragt, ob du deinen Job an einen Roboter verlieren wirst, vice.com vom gleichen Tag sowie Soziologie-Professor über Technologie: "Die Zukunft ist noch beeinflussbar", taz-Online vom 20.01.16.

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  1. Seit ca. zwei bis drei Jahren findet man vermehrt Artikel in den großen Mainstreammedien, die die Auswirkungen des Mooreschen Gesetzes, also der exponentiellen Zunahme der Rechengeschwindigkeit von Computern, für die konventionellen Rationalisierungsprozesse in der Wirtschaft thematisieren - Zusammenhänge, die vorher fast ausschließlich in wissenschaftlichen Spezialdebatten oder der transhumanistischen Subkultur diskutiert wurden! Zu den Folgen für den Arbeitsmarkt durch die fortschreitende und sich beschleunigende Digitalisierung, Automatisierung und den Einsatz von Robotern siehe daher auch noch einmal die Topnews-Sammeleinträge Computer machen die Arbeit, was machen wir?, November 2013, Er will meinen Job, Juli 2014 sowie Die mühsame IT-Revolution, September 2015.

    In den öffentlichen Debatten werden verschiedene Studien und Szenarien gehandelt und unterschiedlich dramatisiert. Dabei kann man folgenden grundlegenden Zusammenhang postulieren: Je stärker die Rationalisierungseffekte und je kürzer die Zeitspanne, in der sie sich manifestieren, desto größer die - tendenziell katastrophalen - Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und in der Folge auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft! Dies gilt insbesondere in dem Maße, wie Politiker, Öffentlichkeit und normale Arbeitsmarktexperten auf die exponentielle Dynamik des Prozesses nicht vorbereitet sind und darauf mit politischen Ansätzen von gestern und vorgestern reagieren wollen.

    Einfaches Rechenbeispiel: Falls tatsächlich mehr als 40% aller Arbeitskräfte in weniger als 10 Jahren wegrationalisiert würden, dürften die resultierenden Folgen im Kontext konventioneller Konzepte und Bewältigungsstrategien sehr schnell unbeherrschbar und verheerend werden. Wäre dagegen das Ausmaß der digitalen Rationalisierung z.B. nur halb so groß und bräuchte doppelt so lange, um sich durchzusetzen, blieben die Auswirkungen wahrscheinlich im Rahmen üblicher längerfristiger Veränderungsprozesse, an die Wirtschaft, Politik und Arbeitnehmer sich tendenziell anpassen könnten, zumal ja - wenn auch im viel kleineren Rahmen - durch die Digitalisierung auch neue hochwertigere Arbeitsplätze entstehen oder ein gewisser Prozentsatz der Arbeitnehmerschaft in einem Berufszweig durch natürliche Fluktuation ausscheidet, insbesondere durch Verrentung. Längergestreckte Teilrationalisierungen werden daher durch den üblichen Lauf der Dinge vor allem im Kontext des permanenten Generationenwechsels aufgefangen, so daß z.B. niemand mehr Droschkenkutscher lernt, wenn die Benzinkutschen auf dem Vormarsch sind oder LKW-Fahrer, wenn die selbst fahrenden Lastwagen die Erprobungsphase hinter sich gelassen haben etc.. Kommen die Veränderungen aber quasi „über Nacht" und betreffen größere Teile des gesamten Arbeitsmarktes, greifen traditionelle Kompensationsversuche und konventionelle Instrumente der Arbeitsmarktpolitik völlig ins Leere!

    Die konkrete Dynamik des ganzen Rationalisierungsprozesses ist daher entscheidend bzw. die Frage, ob die exponentielle Dynamik des Mooreschen Gesetzes sich tatsächlich 1:1 auf den Arbeitsmarkt überträgt oder ob sie sich durch weitere Faktoren, Rahmenbedingungen oder verschiedene wirtschaftspolitische Maßnahmen nur - und unter Umständen deutlich - abgeschwächt auf ihn auswirkt!? (Ob und inwieweit und wie lange noch das Mooresche Gesetz überhaupt Gültigkeit beanspruchen kann, wäre eine weitere und natürlich vorgelagerte Frage.) Der Teufel steckt also im nicht zuletzt empirischen Detail, weshalb es durchaus lohnend sein dürfte, sich mit den vorgelegten Studien systematisch und genauer auseinanderzusetzen! Das bleibt aber letztlich wohl mehr eine Aufgabe entsprechender Experten und kann ohne spezifische Qualifikationen kaum geleistet werden. Aber wer sich berufen fühlt...

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