Online-Magazin für Physische Unsterblichkeit

Neurophilosophie: Was von der Seele übrig bleibt

schiller_love-6Für die einen besitzt jeder Mensch einen unvergänglichen, vom Körper getrennten Wesenskern. Für die anderen sollte man diesen Irrglauben endlich ad acta legen. Nur, geht das? Weiter zum Artikel auf spektrum.de vom 03.12.15. Siehe dazu auch noch einmal den Kommentar Anmerkungen zur "Terror-Management"-Theorie schon von August 2010, den Artikel "Unter der Hülle aller Religionen liegt das Göttliche": Friedrich Schillers ästhetische Erziehung des Menschen, Deutschlandfunk vom 27.11.15 sowie die Titelgeschichte der Dezemberausgabe 2015 der Zeitschrift National Geographic: Warum glaubt der Mensch?. (Der letzte Link führt nur Inhaltsübersicht der aktuellen Ausgabe.)

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  1. Phantasie an Laura

    Meine Laura! nenne mir den Wirbel,
    Der an Körper Körper mächtig reißt!
    Nenne, meine Laura, mir den Zauber,
    Der zum Geist gewaltig zwingt den Geist!

    Sieh! er lehrt die schwebenden Planeten
    Ew'gen Ringgangs um die Sonne fliehn
    Und, gleich Kindern um die Mutter hüpfend,
    Bunte Zirkel um die Fürstin ziehn.

    Durstig trinkt den goldnen Strahlenregen
    Jedes rollende Gestirn,
    Trinkt aus ihrem Feuerkelch Erquickung,
    Wie die Glieder Leben vom Gehirn.

    Sonnenstäubchen paart mit Sonnenstäubchen
    Sich in trauter Harmonie,
    Sphären in einander lenkt die Liebe,
    Weltsysteme dauern nur durch sie.

    Tilge sie vom Uhrwerk der Naturen –
    Trümmernd aus einander springt das All,
    In das Chaos donnern eure Welten,
    Weint, Newtone, ihren Riesenfall!

    Tilg' die Göttin aus der Geister Orden,
    Sie erstarren in der Körper Tod;
    Ohne Liebe kehrt kein Frühling wieder,
    Ohne Liebe preist kein Wesen Gott!

    Und was ist's, das, wenn mich Laura küsset,
    Purpurflammen auf die Wangen geußt,
    Meinem Herzen raschern Schwung gebietet,
    Fiebrisch wild mein Blut von hinnen reißt?

    Aus den Schranken schwellen alle Sehnen,
    Seine Ufer überwallt das Blut,
    Körper will in Körper über stürzen,
    Lodern Seelen in vereinter Gluth.

    Gleich allmächtig, wie dort in der todten
    Schöpfung ew'gem Federtrieb,
    Herrschet im arachneischen Gewebe
    Der empfindenden Natur die Lieb'.

    Siehe, Laura, Fröhlichkeit umarmet
    Wilder Schmerzen Überschwung;
    An der Hoffnung Liebesbrust erwarmet
    Starrende Verzweifelung.

    Schwesterliche Wollust mildert
    Düstrer Schwermuth Schauernacht,
    Und, entbunden von den goldnen Kindern,
    Strahlt das Auge Sonnenpracht.

    Waltet nicht auch durch des Übels Reiche
    Fürchterliche Sympathie?
    Mit der Hölle buhlen unsre Laster,
    Mit dem Himmel grollen sie.

    Um die Sünde flechten Schlangenwirbel
    Scham und Reu', das Eumenidenpaar,
    Um der Größe Adlerflügel windet
    Sich verräthrisch die Gefahr.

    Mit dem Stolze pflegt der Sturz zu tändeln,
    Um das Glück zu klammern sich der Neid,
    Ihrem Bruder Tode zuzuspringen,
    Offnen Armes, Schwester Lüsternheit.

    Mit der Liebe Flügel eilt die Zukunft
    In die Arme der Vergangenheit,
    Lange sucht der fliehende Saturnus
    Seine Braut – die Ewigkeit.

    Einst – so hör' ich das Orakel sprechen –,
    Einsten hascht Saturn die Braut;
    Weltenbrand wird Hochzeitfackel werden,
    Wenn mit Ewigkeit die Zeit sich traut.

    Eine schönere Aurora röthet,
    Laura, dann auch unsre Liebe sich,
    Die so lang als Jener Brautnacht dauert,
    Laura! Laura! freue dich!

    (aus: CLUBARCHIV DER TOTEN DICHTER, Volume 3, Friedrich Schiller: Phantasie an Laura, Gedicht von 1779. PS: Saturn galt in der römischen Mythologie als Gott des Ackerbaus und wurde auch mit dem griechischen Gott Kronos identifiziert, dem Gott der Zeit.)

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