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Topnews 2013: Glück für alle

thomas_morusIn "Utopia" entwarf der Staatsmann und Humanist Thomas More 1516 eine ideale Gemeinschaft - Vorläufer für viele Wunschbilder einer besseren Welt. (SPON/26.12.)


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  1. Möglichkeiten der Utopie heute

    "Man braucht nur irgendwann einmal bei sogenannten wohlgesinnten Menschen von der Möglichkeit der Abschaffung des Todes zu sprechen. Da wird man sofort der Reaktion begegnen: Ja, wenn der Tod abgeschafft würde, wenn die Menschen nicht mehr sterben würden, das wäre das Allerschlimmste und das Allerentsetzlichste. Ich würde sagen, genau diese Reaktionsform ist das, was eigentlich dem utopischen Bewusstsein am allermeisten entgegensteht. Das, was noch über die Identifikation der Menschen mit bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen hinausgeht, worin sich die verlängern, ist die Identifikation mit dem Tod. Und utopisches Bewußtsein meint ein Bewußtsein, für das die Möglichkeit, daß die Menschen nicht mehr sterben müssen, nicht etwas schreckliches hat, sondern im Gegenteil das ist, was man eigentlich will. (...) Ich glaube allerdings, daß ohne dieses Moment, also ohne die Vorstellung eines fessellosen, vom Tod befreiten Lebens, der Gedanke der Utopie überhaupt gar nicht gedacht werden kann."

    (Theodor W. Adorno, der zeitweilige Lehrer von Jürgen Habermas, im Radiogespräch mit dem oben im Artikel ebenfalls erwähnten Ernst Bloch von 1964 "Möglichkeiten der Utopie heute", das als Audiobook zusammen mit anderen Vorträgen von Bloch auf CD-Rom erhältlich ist. Die Textfassung ist abgedruckt im Buch "Gespräche mit Ernst Bloch", Herausgegeben von Rainer Traub/Harald Wieser, Suhrkamp, 1975.)

    Bloch stimmte Adorno im wesentlichen zu und ergänzte, daß für die Abschaffung des Todes traditionell die Medizin und die Theologie zuständig seien: "Das Christentum siegte in den ersten Jahrhunderten mit dem Ruf "Ich bin die Auferstehung und das Leben!" Es siegte nicht mit der Bergpredigt und nicht mit der Eschatologie sondern mit diesem siegte es." Der Tod stelle die härteste Gegenutopie dar - eine Formulierung aus seinem Hauptwerk "Das Prinzip Hoffnung" - die Realität des Todes habe bisher keine Geschichte.

    Adorno schränkte dann allerdings ein, daß es wohl nicht auf die wissenschaftliche Überwindung des Todes ankäme, ließ aber im weiteren Verlauf des Gesprächs völlig unklar, was dann damit genau gemeint sein könnte. Stattdessen unterstrich er nachdrücklich die Schwere des Problems, die Schwere des Todes, woraus sich vor allem das Verbot ableite, utopische Gesellschaftsentwürfe positiv und konkret auszumalen, weil solche immer nur naiven Zukunftsszenarien eben dieser Schwere der menschlichen Sterblichkeit nicht gerecht würden. Es sei nur "die bestimmte Negation" erlaubt, also die konkrete Kritik der bestehenden negativen Verhältnisse, denn die niederdrückenden und unmenschlichen Verhältnisse der Gegenwart seien stets eindeutig und klar. Was das aber für eine Abschaffung des Todes heissen könnte, die nicht auf seine wissenschaftliche Überwindung hinauslaufe, liessen beide im letzten Drittel des knapp 60minütigen Gesprächs leider offen. Dabei hatte Adorno doch selbst das Todesproblem vorher zum "neuralgischen Punkt" bzw. zur Schlüsselkategorie der ganzen Utopiefrage erklärt, aus der sich letztlich wiederum doch erst die prinzipielle Möglichkeit zur umfassenden Gesellschaftsveränderung ergäbe!?...

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