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Was ich noch glaube

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In dem persönlichsten Kapitel seines jüngsten Buchs "Außer Dienst" beschreibt der Altbundeskanzler seine wachsenden Zweifel an Gott. Ein Vorabdruck. Autor: Helmut Schmidt ----- Weiter zum Artikel auf ZEIT-Online vom 11.09.08

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  1. Die Grundtendenz des Altkanzlers unter „Gott" ein rein kulturelles Symbol menschlicher Moral zu verstehen, ist in modernen und säkularen Zeiten so naheliegend wie verbreitet. Das immanente Selbstverständnis der religiösen Tradition, ihr innerstes und konstituierendes Wesen, wird damit aber nicht mehr erreicht. Ohne Jenseits- und Transzendenzbezug, ohne Metaphysik, ohne den Glauben an Gott als Person, der man sich im Gebet zuwenden kann, ohne die zentrale Hoffnung auf Auferstehung und ewiges Leben, fällt es tatsächlich schwer, ihn noch als Christen zu bezeichnen.

    Ein so populärer Denker wie Erich Fromm hat schon in seinem Kapitel über die 'Gottesliebe' in seinem Allzeitbestseller 'Die Kunst des Liebens' von 1956 Gott ebenfalls zu einem bloßen Symbol für Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit erklärt und dabei die Ewigkeitsdimension des klassischen Gottesbegriffes auch unter den Tisch fallen lassen. Gott (bzw. Götter in polytheistischen Traditionen) repräsentiert aber in allererster Linie den symbolisierten Wunsch nach Aufhebung des Todes bzw. die menschliche Ursehnsucht nach Unsterblichkeit, während moralische Regeln und kulturelle Leistungen sich erst in sekundärer Hinsicht von diesem religiösen Kern ableiten. (Und nur von diesem (psycho-)existentiellen Ursprung traditioneller Religion her lassen sich beispielsweise dann auch die mörderischen Verzweiflungstaten religiöser Fanatiker in Geschichte und Gegenwart verstehen.)

    Daß die im Laufe seines Lebens zunehmenden religiösen Zweifel von Helmut Schmidt dabei ausgerechnet durch den Wahnsinn der Zweiten Weltkrieges geschürt wurden, ist vor diesem Hintergrund kein Wunder, denn angesichts des massenhaften Sterbens von Millionen, dem organisierten Völkermord, all den im Wortsinne „zum Himmel schreienden" Ungerechtigkeiten, fällt es wahrlich schwer, die Idee eines persönlichen Gottes im Sinne eines gütigen Vaters, kindlich-naive Vorstellungen von irdischer Geborgenheit, ewigem Frieden oder gar die traditionellen Hoffnungen auf Unsterblichkeit und ewiges Leben weiter aufrechtzuerhalten. Diese Ewigkeitsprojektionen verlangen wohl ein Minimum auch an diesseitiger Harmonie und keine kollektiven Abgründe wie jene des 20. Jahrhunderts...


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