Online-Magazin für Physische Unsterblichkeit

Kraut der Unsterblichkeit

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Ysop kann Krämpfe lösen, beruhigen und Schweiß bekämpfen. Autor: Anke Noll ----- Weiter zum Artikel im Neuen Deutschland vom 02.09.08

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  1. Meldungen über 'Kräuter der Unsterblichkeit' gibt es normalerweise zu Hauf, oft im Rahmen der chinesischen Volksmedizin, aber der Grund, warum diese hier verlinkt wurde, hat nur mit der 'kuriosen' Quelle zu tun. Die Unsterblichkeitsmetaphorik hält jetzt doch tatsächlich schon Einzug auf den Online-Seiten des 'Neuen Deutschlands', der sozialistischen Tageszeitung bzw. dem ehemaligem Zentralorgan der SED, und so kann es ja nur noch einige Jahrzehnte dauern, bis auch die politische Linke die extreme Langlebigkeit entdeckt.

    Von Sarah Wagenknecht, der Exponentin der kommunistischen Plattform der Linkspartei, gab es irgendwo im Netz einen Text, wo sie sich dezidiert zur Todesakzeptanz bekannte und daraus sogar noch revolutionäres Pathos ableitete. Dieser Link ist im Moment nicht mehr auffindbar, stattdessen findet man nur ein drei Jahre altes Interview mit der katholischen Internetseelsorge von ihr, in dem sie eine gemäßigtere humanistisch-atheistische Position unter kapitalismuskritischen Vorzeichen zum Ausdruck bringt. Die traditionelle Orientierung der orthodoxen Linken in Richtung Todesakzeptanz resultierte primär wohl aus ihrer generellen Aufwertung des Kollektivs bei gleichzeitiger Abwertung individuellerer Bedürfnisse des einzelnen Menschen, wie überhaupt alles vorrangige Denken in politischen, ökonomischen oder allgemein-soziologischen Kategorien die Sterblichkeit des einzelnen sehr leicht vergessen oder verdrängen lässt. Dies liegt zum einen daran, weil das dem einzelnen übergeordnete Kollektiv oder die übergeordnete soziale Einheit (Familie, Stamm, Volk, Klasse, Nation, Menschheit) sehr viel weniger vergänglich ist als der einzelne Mensch, zum anderen aus der gerade in solchen Kreisen weit verbreiteten Neigung, die über- und ahistorische Sterblichkeit des Menschen falsch zu historisieren, in dem man konkrete und historisch wechselnde Todesursachen falsch verallgemeinert. Die unaufhörliche geistige Fixierung auf reine Machtphänomene gerät so sehr schnell zur Kompensation der eigenen Sterblichkeit, so als ob die Erringung der politischen Macht auch schon die Macht über das persönliche existentielle Schicksal miteinschliessen würde. Insofern freilich der Mensch sein Überleben ganz überwiegend in kollektiven Bezügen sichert und auch die Entwicklung von Wissenschaft, Technik und Medizin grundsätzlich durch die kollektive gesellschaftliche Arbeitsteilung vorangetrieben wird, besitzt diese Haltung sogar noch einen tieferen wahren Kern, dessen psychoexistentielle Aspekte allerdings noch weitgehend unbewußt und unreflektiert bleiben.

    PS: Interessant ist auch noch eine andere Unterseite der Internetseelsorge, die sich mit dem christlichen Versprechen der Auferstehung beschäftigt, denn sie macht in knappen und präzisen Worten klar, wie unsicher die traditionelle Perspektive des ewigen Lebens sich auch für den überzeugten Christen darstellt. Sie bleibt letztlich eine reine Glaubenssache und kann nicht logisch-philosophisch oder theologisch 'bewiesen' werden, weshalb eine kritische Auseinandersetzung damit immer primär (individual-)psychologisch erfolgen müsste, nie bloß theoretisch, ideologiekritisch oder geistesgeschichtlich.


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