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Turbo-Müllabfuhr verhindert das Altern

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Es könnte ein Meilenstein auf dem Weg zum Jungbrunnen sein: Erstmals ist es Forschern gelungen, im Tierversuch das Altern eines ganzen Organs zu stoppen. Der Trick: Die Müllabfuhr in den Zellen bleibt dank Genmanipulation ein Leben lang aktiv. Weiter zum Artikel auf SPIEGEL-Online vom 11.08.08

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  1. Dieser Artikel bzw. die Ergebnisse dieses Experiments klingen geradezu sensationell, leider wird mit keinem Wort erwähnt, ob die Tiere denn auch insgesamt LÄNGER LEBEN!?? Das ist aber der alles entscheidende Punkt, denn es könnte ja sein, daß die Verbesserung der Leberfunktion mit wichtigen Lebenseinschränkungen an anderer Stelle erkauft wurde. Dies muß sich sogar nicht einmal auf die Lebenslänge selbst beziehen. Es reicht, wenn die Lebensqualität zentral beeinträchtigt wäre, wie es in der Vergangenheit bei anderen Versuchen schon öfters vorgekommen ist (z.B. Einschränkung des Sexualtriebs, verkümmerte Gliedmassen/Sinnesorgane o.ä.), was sich nur auf der Ebene des Tierversuchs allerdings schwer messen lässt.

    Vielleicht ist die Frage nach der Veränderung der Lebenslänge auch einfach nur zu früh gestellt, weil die Versuchstiere samt ihrer Kontrollgruppen noch am Leben sind!?

    Klar war bislang jedenfalls schon immer, daß man den Alterungsprozeß von komplexen mehrzelligen Lebewesen prinzipiell immer nur am GESAMTorganismus festmachen kann, da es ja ständig ablaufende Regenerationsprozesse gibt, die bestimmte Zellsorten oder ganze Gewebeverbände nach spezifischen und teils relativ kurzen Zeitperioden kontinuierlich erneuern. (Blutbildendes System, Muskelaufbau, Zellersatz in den Organen usw.) Die Lebenskette reisst immer im schwächsten Glied, genannt tödlich verlaufende Krankheit, weshalb auch das einfache Hinauszögern des Alterns durch die eher konventionellen Methoden herkömmlicher Anti-Aging-Medizin und gesundheitlicher Prävention immer die Gesamtheit aller körperlichen Prozesse berücksichtigen muß. Daher läuft recht verstandenes Anti-Aging immer auf Ganzheitsmedizin hinaus, die auch noch psycho-soziale Aspekte als Manifestationen oder Frühindikatoren somatischer Ungleichgewichte miteinbezieht, und daher kann man ganzheitliche Herangehensweisen der verschiedensten vormodernen Medizintraditionen auch immer gut in solch ein Anti-Aging-Regime integrieren.

    Erst kürzlich war in News 31 die Meldung verlinkt, daß eine verstorbene 115-jährige Niederländerin bei ihrer Obduktion keinerlei Anzeichen von den angeblich 'typischen' und nahezu unvermeidlichen Alterserscheinungen des Gehirns aufwies. In diesem Zusammenhang wurde an die Reith-Vorlesungen von Prof. Kirkwood erinnert, der schon 2001 auf ähnliche und noch allgemeinere Befunde an verstorbenen Hochbetagten hingewiesen hatte, deren Organe ganz überwiegend noch voll funktionsfähig gewesen seien.

    Es ist genau dieser Kernaspekt des 'schwächsten Gliedes', warum einerseits die gezielte Rundumprävention und gesundheitliche Optimierung ein so großes und weithin unterschätztes Lebensverlängerungspotential besitzt und warum umgekehrt die partikulare Verbesserung eines einzelnen Organs bzw. einer Organfunktion in dieser Hinsicht wenig bis gar keine Bedeutung haben kann. Die 'typische' Reihenfolge von tödlich verlaufenden Krankheiten und Pathologien ist hier entscheidend, wie ja Mediziner schon öfters auch darauf hingewiesen haben, daß etwa die Überwindung heute noch so weit verbreiteter Erkrankungen wie Herz-/Kreislaufleiden und Krebs auf die Steigerung der durchschnittlichen Lebenserwartung nur eine relativ geringe Auswirkung haben würde (weil die Menschen kurz darauf an anderen und noch unbehandelbaren Leiden sterben würden).

    Und bei dieser Rundumoptimierung zählt meist das Zusammenspiel verschiedener Ebenen und Faktoren, wie man etwa schon am Verhältnis von Ernährung und Bewegung an einem kleinen Beispiel populär veranschaulichen könnte. Die immer genauere Beschäftigung nur mit einem Faktor oder mit je den einzelnen beiden Faktoren ohne die genaue Berücksichtigung des Wechselspiels von beiden, das eben eine Eigendynamik besitzt, würde zu einseitigen Schlußfolgerungen und damit zu wenig effektiven praktischen Strategien führen. Archaische und ganzheitliche Medizintraditionen (Ayurveda, Traditionelle Chinesische Medizin, westliche Richtungen...) berücksichtigen durch teils jahrhundertelange Erfahrungen wenngleich noch eher vorrational-intuitiv solche systemischen Effekte, die die systemtheoretischen Modelle moderner Medizin und Biologie zwar schon geistig abbilden können, die aber in der alltäglichen Praxis westlicher Schulmedizin noch wenig bis gar keine Anwendung finden, am ehesten noch in den Hinweisen von Kontraindikationen und Unverträglichkeiten bei der gleichzeitigen Einnahme verschiedener Medikamente.

    Fazit: Mindestens die Überschrift und die Einleitung des Artikels sind irreführend bis unsinnig und erinnern an schlechten Boulevardstil, da die Alterung eines einzelnen Organs nur sehr vermittelt in den Alterungsprozess des Gesamtorganismus eingeht. Am ärgerlichsten dabei ist die auch im weiteren Text vermittelte Annahme, es gäbe tatsächlich nur einen einzigen Alterungsmechanismus überhaupt ('Schlüsselfaktor), während Altern immer ein komplexes multifaktorielles Geschehen darstellt, wie gegen Ende zumindest allerdings nur ganz vage angedeutet wird. Daher kann auch die Leber selbst nicht schon komplett 'alterslos' geworden sein, DAS wäre sonst wirklich eine Sensation! Man denke allein nur an den Mechanismus der Telomerverkürzung, der auch in der Leber weiter ablaufen muß etc. Oder was ist mit den innerorganismischen Wechselwirkungen von Organen, die dazu führen, daß die eine Organfunktion negativ beeinträchtigt wird, wenn ein anderes krank wird, z.B. im altersbedingten Verschleiß (siehe z.B. die typischen Folgekrankheiten von Diabetes usw. usf.)!?

    Es ist genau diese monokausale Betrachtungsweise und Erwartungshaltung, die wiederum mit einem einseitig zugespitzten Spezialistentum korrespondiert, das die so wichtige integrierte Zusammenschau einzelner Aspekte in übergeordnete systemische Zusammenhänge verhindert. Daß zur Zeit sich beinahe schon im Wochenrhythmus Meldungen über genetisch-angeborene 'Schlüsselfaktoren' des Alterns mit solchen über die vermeintliche Dominanz von Umwelt- und Verschleißfaktoren abwechseln, gar im selben Medium, sei dabei nur am Rande erwähnt. Diese fundamentale Widersprüchlichkeit spiegelt nicht nur den unterentwickelten Stand der Biogerontologie hinsichtlich eines einheitlichen Paradigmas wider, mindestens auch die wenig fundierte öffentliche Berichterstattung zur Alternsforschung, sondern ist wohl auch eine logische Konsequenz der angedeuteten partikularistischen Zugänge zum Alternsproblem.


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